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BiSt-24

Liebe Teilnehmende,

Ihr werdet im Folgenden Fragen über eure persönlichen Einstellungen und Erfahrungen zum Thema Beziehungen, Liebe oder Dating erhalten.


Die Befragung ist anonym, Du kannst also losgelöst antworten.

Bitte versuche auch genau dies zu tun.

Antworte nicht so, wie du es dir vielleicht gerne bei dir selbst wünschen würdest, oder wie du denkst, dass andere es besonders begrüßen würden.


Versuche dir ggf. in Erinnerung zu rufen, wie du dich in vergangenen Beziehungen gefühlt oder verhalten hast, auch wenn du aktuell Single bist.


Der Fragebogen wird etwa 10 Minuten Bearbeitungsdauer benötigen.

Vielen Dank für die Unterstützung. 

Gesichert
1

Wie ist dein Beziehungsstatus?

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2

Welchem Geschlecht fühlst du dich zugehörig?

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3

Bitte wähle deine Altersgruppe.

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4

Welche der folgenden Textzeilen entspricht am ehesten deiner Person und deinem Erleben in Beziehungen?

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5

"if he/she wanted to he/she would" (wenn er/sie wollte, dann würde er/sie auch) ist ein Motto, von dem ich beim dating oder in der Liebe überzeugt bin.

1 Stern = trifft gar nicht zu 6 Sterne = trifft voll zu
6

Unabhängigkeit ist für mich besonders wichtig. Mitunter war mein Wunsch danach schon so stark, dass es Beziehungen behindert hat.

1 Stern = trifft gar nicht zu 6 Sterne = trifft voll zu
7

Die Vorstellung eins zu sein mit einer anderen Person finde ich romantisch.

1 Stern = trifft gar nicht zu 6 Sterne = trifft voll zu
8

Ich möchte am liebsten die meiste Zeit mit meinem/meiner Partner*in verbringen.

1 Stern = trifft gar nicht zu 6 Sterne = trifft voll zu
9

In einer Beziehung habe ich keine Angst vor emotionaler Nähe, und genieße dennoch auch Zeit für mich.

1 Stern = trifft gar nicht zu 6 Sterne = trifft voll zu
10

Gespräche über Gefühle oder Beziehungsprobleme fallen mir schwer.

1 Stern = trifft gar nicht zu 6 Sterne = trifft voll zu
11

Ich habe Sorge, dass andere mich nicht so wertschätzen wie ich sie.

1 Stern = trifft gar nicht zu 6 Sterne = trifft voll zu
12

Der Kontakt zu anderen Menschen fällt mir leicht.

1 Stern = trifft gar nicht zu 6 Sterne = trifft voll zu
13

Ich habe Vertrauen, dass meine Bedürfnisse in einer Beziehung erfüllt werden.

1 Stern = trifft gar nicht zu 6 Sterne = trifft voll zu
14

Ich habe oft das Gefühl, mehr zu lieben als mein*e Partner*in.

1 Stern = trifft gar nicht zu 6 Sterne = trifft voll zu
15

Emotionale Nähe fühlt sich für mich oft beklemmend an.

1 Stern = trifft gar nicht zu 6 Sterne = trifft voll zu
16

Ich habe oft Sorge, mein*e Partner*in könnte mich verlassen.

1 Stern = trifft gar nicht zu 6 Sterne = trifft voll zu
17

Ich suche viel Nähe zu meinem/meiner Partner*in.

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18

In Paarbeziehungen fühle ich mich in der Regel ausgeglichen und entspannt.

1 Stern = trifft gar nicht zu 6 Sterne = trifft voll zu
19

Wenn ich Angst habe verlassen zu werden, stürzt mich das in tiefe Verzweiflung.

1 Stern = trifft gar nicht zu 6 Sterne = trifft voll zu
20

Ich brauche bei Stress viel Zeit für mich.

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21

Kritisiert oder abgelehnt zu werden macht mir Angst.

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22

Oft fühle ich mich mit meiner Fülle an Gefühl überfordert.

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23

Emotionale Nähe schreckt mich nicht ab.

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24

Ich mag es in einer Beziehung zu sein, komme aber auch alleine zurecht.

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25

Wenn es zu einem Konflikt in meiner Beziehung kommt, dann ziehe ich mich zurück und distanziere mich mitunter sehr weit von meinem/meiner Partner*in.

1 Stern = trifft gar nicht zu 6 Sterne = trifft voll zu
26

Wenn mir mein*e (dating) Partner*in nicht am gleichen Tag auf eine Nachricht antwortet, dann befürchte ich, dass er/sie nicht an mir interessiert ist.

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27

Ich glaube, dass die Menschen, die mich lieben mein bestes wollen.

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28

Ich habe oft das starke Bedürfnis, meinem/meiner Partner*in meine Gefühle zu erklären.

1 Stern = trifft gar nicht zu 6 Sterne = trifft voll zu
29

Wenn es in meiner Beziehung zu einem Konflikt kommt, dann ziehe ich mich zurück und lenke mich ab (z.B. mit viel Arbeit, mit intensivem Sport, mit Alkohol, mit dating apps).

1 Stern = trifft gar nicht zu 6 Sterne = trifft voll zu
30

Es verunsichert mich nicht, wenn eine Person nicht zeitnah auf eine Nachricht antwortet.

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31

Mich für eine feste Bindung zu entscheiden fällt mir mitunter schwer, weil ich mir Sorgen mache meine Unabhängigkeit zu verlieren.

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32

Wenn mein*e Partner*in auf Abstand geht, dann verunsichert mich das.

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33

Ich glaube ich bin genug.

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34

Wenn mir mein*e (dating) Partner*in nicht zurück schreibt, dann schreibe ich mitunter mehrmals, auch wenn ich das vielleicht nicht möchte.

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35

Ich bin zuversichtlich, dass mein*e Partner*in und ich gemeinsame Herausforderungen zusammen meistern können.

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36

Wenn mein*e Partner*in alleine in Urlaub fahren würde, dann würde er/sie mir fehlen, aber ich würde mir keine Sorgen um unsere Beziehung machen.

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37

Freund*innen sagen, ich sei jemand, der es anderen gerne recht macht (people pleaser).

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38

Ich habe oft das Gefühl, dass ich mehr Nähe brauche als mein*e Partner*in.

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39

Wenn es zu Konflikten in meiner Beziehung kommt, dann neige ich dazu, nach Fehlern in der Partnerschaft oder beim anderen zu suchen.

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40

Mein*e Partner*in ziehen zu lassen (z.B. zu Treffen ohne mich, in einen Urlaub) fällt mir schwer.

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41

Ich möchte, dass es sowohl mir selbst, als auch meinem/meiner Partner*in gut geht.

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42

Ich kann gut über meine Gefühle sprechen, und möchte auch, dass mein*e Partner*in sich mir anvertraut.

1 Stern = trifft gar nicht zu 6 Sterne = trifft voll zu
43

Wenn mir mein*e (dating) Partner*in viel schreibt, dann ziehe ich mich zurück und schreibe nur wenig oder gar nicht.

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44

Wenn ich in einer Beziehung bin, dann habe ich nach etwas Zeit keine Angst ich selbst zu sein.

1 Stern = trifft gar nicht zu 6 Sterne = trifft voll zu
45

Es beruhigt mich, wenn mein*e Partner*in es wertschätzt, wenn ich für ihn/sie sorge.

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46

Ich spreche nicht gerne über meine Gefühle.

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47

Es stört mich nicht, von anderen abhängig zu sein.

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48

Ich kann meine Bedürfnisse gut mitteilen.

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49

Wenn mir mein*e (dating) Partner*in viel schreibt, dann setzt mich das unter Druck. Manchmal denke ich dann, dass es als Single einfacher ist.

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50

Ich halte Kommunikation in einer Beziehung für wichtig, sofern beide auch genug Raum für eigene Gedanken und Reflexion bekommen.

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51

Ich frage ungerne nach Unterstützung. Ich lebe lieber nach dem Motto, die Dinge mit mir selbst auszumachen.

1 Stern = trifft gar nicht zu 6 Sterne = trifft voll zu
52

Wenn es zu Konflikten in meiner Beziehung kommt, dann habe ich es schon erlebt, dass meine Gefühle für die andere Person zumindest zeitweise stark absinken können, möglicherweise sogar wie ausgeschaltet werden.

1 Stern = trifft gar nicht zu 6 Sterne = trifft voll zu
53

Wenn mein*e Partner*in alleine unterwegs ist, dann habe ich Angst er/sie könne jemand anderen kennenlernen oder mir fremd gehen.

1 Stern = trifft gar nicht zu 6 Sterne = trifft voll zu
54

Beim daten und in der Liebe bin ich zuversichtlich. Alles wird gut werden.

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55

Wenn mir mein*e Partner*in sagt, dass ich geliebt werde, dann hinterfrage ich oft, ob ich dem gehörten trauen kann.

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56

Es stört mich nicht, wenn sich andere auf mich verlassen.

1 Stern = trifft gar nicht zu 6 Sterne = trifft voll zu
57

Ich habe oft Sorge, dass mein*e Partner*in mich nicht wirklich liebt.

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58

Wenn ich mich unter Druck gesetzt fühle mich mehr zu öffnen, dann reagiere ich oft in einer Art erstem Impuls mit Rückzug.

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59

Ich bin ein eifersüchtiger Mensch.

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60

Konflikten gehe ich nicht aus dem Weg. Die lösen wir gemeinsam.

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61

Ich neige dazu, die Bedürfnisse meines Partners/meiner Partnerin nach viel Nähe als etwas anhängliches oder bedürftiges zu empfinden.

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62

In einer Beziehung fühle ich mich sicherer als alleine.

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63

Ängste oder Verletzungen behalte ich für mich, weil es anderen Macht über mich geben könnte.

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64

Sich in einer Beziehung aufeinander stützen zu können finde ich wichtig.

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65

Ich vertraue darauf, dass andere für mich da sind, wenn ich sie brauche.

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66

Ich empfinde Skepsis gegenüber Liebe, Vertrauen und lebenslangen Bindungen.

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67

Meine Beziehung nimmt oft sehr viel Raum in meinem Denken ein.

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68

Wenn es zu Konflikten in meiner Beziehung kommt, dann denke ich über Trennung nach. Die Vorstellung der Trennung fühlt sich dann erleichternd an

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69

Ich vertraue anderen Menschen.

1 Stern = trifft gar nicht zu 6 Sterne = trifft voll zu
70

Ich glaube eigentlich ich sehne mich nach verlässlicher Nähe, aber ich fürchte, dass das in der Realität nicht funktioniert oder zu viel Risiko birgt.

1 Stern = trifft gar nicht zu 6 Sterne = trifft voll zu


Liebe Teilnehmende,

Wenn ihr nichts weiter zum Inhalt dieses Fragebogens wissen möchtet, dann scrollt bitte einfach zum Ende der Seite und drückt auf "absenden".



Anders als beispielsweise die Themenbereiche der klinischen Psychologie, haben wir dieses Mal ein Thema, das eigentlich jeden Menschen betrifft. Nämlich die Art, wie wir untereinander Bindungen eingehen, welche Überzeugungen und Verhaltensweisen wir möglicherweise verinnerlicht haben, wie sicher oder unsicher wir uns in Beziehungen fühlen. 


Die Bindungstheorie beschäftigt sich zusammengefasst mit den emotionalen Bindungen und Beziehungen zwischen Menschen. Die Bindungen, die wir in Kinderjahren erleben und mitunter verinnerlichen, wirken sich demnach darauf aus, wie sich später unser Bindungsverhalten im Erwachsenenalter, also etwa in Paarbeziehungen abbildet (Bowlby, 1982, Neumann, Rohmann & Bierhoff, 2007).


Im frühkindlichen Alter macht der Säugling auf seine Bedürfnisse aufmerksam und sucht die Nähe zu Mutter/Vater (durch weinen, schreien, klammern), da dies dem Überleben des schutzbedürftigen Kindes dient. Je nachdem wie diesen Bedürfnissen nachgekommen wird, entwickelt sich ein Bindungsstil, der das Kind weiter leiten wird (Ackermann, 2018). 

Sucht der Säugling die Nähe der Bindungsperson und sind diese Näherungsversuche erfolgreich (Eltern reagieren aufmerksam und fürsorglich), dann tritt das Gefühl von Sicherheit ein. Das Kind lernt, dass es seine Bedürfnisse äußern kann, dass diese adäquat wahrgenommen und gestillt werden, dass es Vertrauen haben kann und es sicher ist. Diese Kinder entwickeln dann meistens einen sicheren Bindungsstil

Aber nicht immer gelingt es, den Bedürfnissen des Babys erfolgreich nachzukommen. Und das muss gar nicht aufgrund schwerwiegender Ursachen erfolgen, sondern geschieht häufig ungewollt. Etwa weil die Eltern viel Stress haben, viele Geschwisterkinder zu versorgen sind, jemand krankes gepflegt werden muss, oder aufgrund falscher Erziehungsvorstellungen (z.B. Kinder schreien lassen, damit sie sich selbst beruhigen). 

Wird das Baby oder Kleinkind nun in seinen Bedürfnissen nicht erfolgreich wahrgenommen, entsteht Unsicherheit und Angst. Das Nervensystem meldet sich, denn es besteht eine Gefahr. Da das Kind noch auf die Fürsorge anderer angewiesen ist, fürchtet es um sein Leben, wenn es mit seinen Bedürfnissen nicht gesehen wird. Dies führt dann im Kind zur Wahl zwischen zwei möglichen Bewältigungsstrategien: 

1. das Baby nutzt deaktivierende Strategien, das heißt, es verschließt sich nach innen, das Bindungsbedürfnis, Gefühle und Gefahren werden geleugnet und nach außen hin nicht mehr gezeigt.

2. das Baby wendet hyperaktivierende Strategien an, das heißt, es werden Versuche unternommen, eine nicht aufmerksame Bezugsperson zu erreichen um Nähe, Schutz und Sicherheit zu erlangen, und wenn dies gelingt wird diese Person versucht zu halten.


Kinder, die vermehrt nach Nähe und Verbindung suchen entwicklen dann mitunter einen ängstlichen Bindungsstil, Kinder, die deaktivierende Strategien anwenden und sich nach innen verschließen entwickeln oft einen vermeidenden Bindungsstil

Manchmal werden diese verinnerlichten Vorstellungen über Bindungen, über Vertrauen und Verlässlichkeit in den folgenden Jahren der Kindheit noch weiter geprägt (etwa durch falsche Erziehungsannahmen, wie zum Beispiel „Jungs weinen nicht“).


Bindungsstile sind keine Diagnose, sondern es sind Mechanismen, die wir in sehr jungem Alter gelernt und verinnerlicht haben, die dann im Erwachsenenalter unsere Denkstrukturen und unser Handeln leiten können, und die vor allem bestimmte Bindungsängste erklären können. 


Menschen, die einen unsicheren Bindungsstil haben (vermeidend oder ängstlich) neigen in der Folge eher dazu, anderen Menschen zu misstrauen, haben Probleme, Beziehungen aufzubauen oder aufrecht zu erhalten oder leiden unter Trennungsangst.

Menschen mit ängstlichen Bindungsstil reagieren häufig auf das scheinbare Risiko, von der/dem Partner*in verlassen zu werden, mit dem Versuch zunehmender Nähe, mit viel Kommunikationsversuchen, mit der Angst vor Trennung. Sie schreiben beispielsweise viele Nachrichten, wenn der/die Partner*in nicht zeitnah reagiert, haben oft Angst vor Verlust oder nicht genug zu sein. 

Menschen mit einem vermeidenden Stil reagieren auf die eigentlich gleiche Angst, nämlich die durch die Bezugsperson verlassen zu werden, mit Distanz, mit der Leugnung von Gefühlen und mit dem Vermeiden, sich ernsthaft und emotional an eine andere Person zu binden. Sie gehen häufig auf Abstand, sobald es emotionaler wird, vermeiden Konflikte oder gefühlsbetonte Gespräche, brechen den Kontakt ab und beginnen, ihre Gefühle für die andere Person klein zu reden oder zu leugnen. Man kann dieses Leugnen mit einem Menschen vergleichen, der Höhenangst hat. Er möchte sich dieser Angst schrittweise stellen, da er so gerne aufs Empire State Building in New York möchte. Also steigt er dafür jeden Tag 10 Stufen weiter am Kirchturm im Dorf nach oben. Zu Beginn gelingt ihm dies noch. Dann beginnt es zunehmend schwieriger zu werden. Er spürt Unruhe aufkommen, sein Puls steigt an, er schwitzt und bekommt schlecht Luft. Schließlich flüchtet er aus dem Kirchturm nach Hause. Dort beginnt er nun, sich sein Vermeidungsverhalten durch eine sinnvolle Argumentationslinie zu rechtfertigen, damit er sich nicht fühlt, als sei er gescheitert. Nach New York wolle er sowieso nicht mehr, das sei viel zu teuer, und fliegen ist ja auch sehr schlecht für die Umwelt, und die Amerikaner seien eh alle doof, und vermutlich würden die wieder Trump wählen, und so jemand dürfe man auch als Tourist nicht unterstützen. 

Gleiches passiert, wenn eine Person mit vermeidendem Bindungsstil in der Distanzepisode versucht die (potentielle) Beziehung durch negative Gedanken und Abwertungen zu sabotieren, da sie ihm womöglich zu verbindlich oder emotional wurde (Mikulincer & Shaver, 2018). 

Es erfolgen also regelmäßige Distanzepisoden. Lazarus & Folkman (1984) sprechen von einem sogenannten Distanz Coping (distant Coping), indem mit der schnellen Distanz von der emotionalen Situation oder einer Person eine Art Regulation der aufkommenden Gefühle stattfindet. Eigene Verwundbarkeit wird heruntergespielt und Emotionen geleugnet (Mikulincer & Shaver, 2018). 

Es gelingt diesen vermeidenden Bindungsstilen mitunter, ihre Gefühle zumindest zeitweise starr abzuschalten, wodurch sie sehr ablehnend wirken können. Dies ist oft dann ein Problem, wenn das Gegenüber einen ängstlichen Bindungsstil hat, da dieser die Distanz als Ablehnung interpretiert und versucht mit Nähe zu agieren, was die vermeidende Person dann meist nur noch weiter weg treibt. Dies heißt allerdings nicht, dass vermeidende Personen keine Gefühle hätten. Menschen mit einem vermeidenden Bindungsstil haben im gleichen Ausmaß Gefühle und Emotionen in sich, sie haben lediglich als eine frühe Bewältigungsstrategie gelernt, diese nicht nach außen zu zeigen oder zu kommunizieren 


Das wichtigste ist wohl aber, Bindungsstile machen uns nicht fehlerhaft. Sie waren einmal eine Strategie, die wir genutzt haben. Sie sind auch nicht so stabile Eigenschaften wie beispielsweise die kognitive Intelligenz. Sie haben eine Verankerung, auch bedingt durch das frühe Aneignen, aber sie sind umlernbar. Die Modifikation von Bindungsstilen ist nur ein längerer Lernprozess, der etwas Geduld braucht und vor allem durch Reflexion der eigenen Verhaltens- und Denkmuster angetrieben werden sollte. Aber Bindungsstile jeder Art machen gesunde und sichere Beziehungen dennoch möglich. Wichtig ist, das eigene Bindungsverhalten zu kennen und zu verstehen.Ein Bindungsstil kann außerdem unterschiedlich stark ausgeprägt sein, und kann sich auch mitunter in andere Stile hinein bewegen, etwa zunehmend sicher werden, wenn die Person den Teilen des Bindungsstils aktiv mit Lernprozess begegnet, die Bindungen sabotieren oder schaden. 



 



Quellen


Ackermann, C. (2018). What is attachement theory? Bowlbys 4 stages explained. Positivepsychology.com 

Bowlby, J. (1982). attachement and loss. New York: basic books.

Lazarus, R.S. & Ffolkman, S. (1984). Stress, Appraisal and coping. New York: Springer. 

Mikulincer, M. & Shaver, P. R. (2018). Attachement in Adulthood. Structure, dynamics, and change. NY: guilford. 

Neumann, E., Rohmann, E. & Bierhoff, H.W. (2007). Entwicklung und Validierung von Skalen zur Erfassung von vermeidung und Angst in Partnerschaften. Der Bochumer Bindungsfragebogen (BoBi). In: Diagnostica, 53 (1)), pp. 33-47.



Für weitere Infos oder Fragen: BiSt-Daten-24@proton